Antonín Dvorák (1841-1904)

Stabat Mater
Sinfonische Kantate für Soli, Chor und Orchester
Live-Mitschnitt

Sabine Brohm, Sopran
Bettina Denner-Brückner, Alt
Thomas Dewald, Tenor
Thomas Johannes Mayer, Bass
Kantorei an St. Nicolai/Westerland
Mitglieder des Knabenchores
der Jenaer Philharmonie
Jenaer Philharmonie
Leitung: Martin Stephan


2 CD (DDD, 1:22:32)



Der Text "Stabat Mater" enstand im 13. Jahrhundert und dürfte mit ziemlicher Sicherheit franziskanischer Herkunft sein. Die zwanzig Strophen zeigen einen regelmäßigen Aufbau im trochäischen Versmaß (aab/ccd).

Für Dvorák hat der Text allerdings eine ganz persönliche, traurige Deutung: am 21. September 1875 war die Tochter Josefa gestorben, die ersten Skizzen des Werkes reagieren unmittelbar darauf. Er setzte sich daher mit dem Leid der Gottesmutter Maria auseinander, die weinend unter dem Kreuz steht, an welchem ihr Sohn mit dem Tod rang. Auch die Fertigstellung der Partitur im November 1877 war eine Reaktion auf zwei weitere Schicksalsschläge: die Tochter Rúzena und der Sohn Otakar waren im Sommer des Jahres gestorben.

Das Medium Musik gilt als Trösterin für den religiösen Schmerz und die religiöse Trauer sowie für seinen eigenen persönlich erfahrenen Schmerz. Am 23. Dezember 1880 wurde "Stabat Mater" in Prag uraufgeführt und breitete sich anschließend europaweit aus. 1883 erklang das Werk erstmals unter der Leitung des Komponisten in der Royal Albert Hall in London und wurde zu einem triumphalen Erfolg.

Überraschend ist die Ähnlichkeit der Tonartencharaktere zwischen "Stabat Mater" und J.S. Bachs h-Moll-Messe: die Melancholietonart h-Moll mit dem göttlich herrschenden D-Dur, mit dem beide Werke schließen.
Der erste Satz bildet zusammen mit dem zehnten Satz den Rahmen des Werkes. Die musikalischen Gestaltungen des ersten Satzes werden im letzten Satz nochmals aufgegriffen, aber bedeutungsvoll verwandelt und stehen hier für Erfüllung und Erlösung.

Hartmut Fladt, Reinhold Kubik